Was kommt nach Kopenhagen ?

Ich habe aufmerksam verfolgt, wie seitens der Regierungen der Klimakongresse vorbereitet wurde. Sicherlich haben wir nicht alle vorbereitenden Aktivitäten gesehen bzw. noch alle Verhandlungsrichtungen verfolgen können, aber das Ergebnis ist für mich nicht akzeptabel! Es lässt sich auch nicht nachvollziehen, mit welchem Selbstverständnis die westlichen Regierungen das Ergebnis als solches verkaufen.

War die EU nicht vor dem Treffen bereit, sich auf ein Klimaziel festlegen zulassen, das eine CO2-Reduktion von 30% oder sogar 40%  bis 2010 vorsah (im Vergleich zu 1990) ? Warum hat die EU dies dann nicht unabhängig des Verhandlungsverlauf getan ? Worauf warten wir ? Ist es notwendig, dass die USA, China, Indien, Russland und weitere Länder zusagen, bevor wir weitergehen ?

Von den USA habe ich ja eigentlich nicht die Führerschaft erwartet. Obama ist innenpolitisch angeschlagen und will erst einmal die Gesundheitsreform durchbringen. Was hätte es gebracht, wenn er wie Clinton das Kyoto-Protokoll unterzeichnet hätte, aber der Senat dies danach nicht ratifiziert? Meine Erwartungen lagen auf China und der EU.

Ich bin einfach nur sauer auf dieses Auftreten. Worum ging es eigentlich? Festzustellen, dass China selbstbewusster auftritt und die USA die alte Methodik der “wir geben den Takt für die westliche Welt vor” anwendet. Die Dinge ändern sich eben, und es gab auch einmal eine Kolonialmacht Großbritannien, die heute wirtschaftlich nur noch von geringer Bedeutung ist und von ihren Kolonien diesbezüglich überholt wird.

Was mich ebenso bedrückt, ist die Tatsache, dass unsere westliche Gesellschaft nur auf Wachstum orientiert ist und letztlich darüber alle Veränderungen finanziert werden sollen (wie der Umbau des Sozialsystems). Woher soll dieses Wachstum kommen ? Mehr Konsum ?

Ich bin der Meinung, dass der sogenannte ökologische Umbau unserer Gesellschaft der Wachstumsmotor sein kann, der die kommenden Jahrzehnte den gesellschaftlichen Umbau unterstützen kann. Gerade hier haben insbesondere Deutschland und die EU noch einen technologischen Vorsprung vor China und den USA. Warum nutzen wir diesen Vorsprung nicht und gehen konsequent weiter in diese Richtung ? Gerade die typisch europäische Konsensfindung bedarf auch mehr Zeit im Vergleich zu der Umsetzungsgeschwindigkeit einer chinesischen Zentralregierung.

Klare politische Entscheidungen schaffen auch Rahmenbedingen für die Unternehmen. Diese haben bereits erkannt, welche wirtschaftlichen Vorteile sich ergeben, wenn sie in diese Industriezweige investieren. Der Bau von Computern, Fernsehern und MP3-Playern kommt nicht mehr nach Deutschland zurück. Dazu sind wir schon zu gut dressierte Konsumenten, die dem „Geiz ist geil-Prinzip“ widerstandslos folgen. Wo liegen denn die Zukunftsmärkte für Deutschland ? Aus meiner Sicht klar dort, wo wir die vorhandenen Stärken nutzen und auf neue Felder übertragen können: die Energietechnik, regenerative Energieerzeugung, Anlagen- und Maschinenbau, die E-Mobile, und Wissensmanagement.

Uns entsteht kein wirtschaftlicher Nachteil, wenn die EU konsequent diesen Weg weitergeht. Wir hätten dann den Vorteil, dass wir die notwendigen Technologien und Produkte anbieten, die andere Länder benötigen, wenn diese später den Bedarf erkennen. Mir ist die zögerliche Haltung der deutschen Politik nicht verständlich. Das Thema der Bankenrettung will ich hier gar nicht anführen… Die Zeche zahlt immer die Bevölkerung und da darf man doch erwarteten, dass die Rechnung auch für das gestellt wird, was die Bevölkerung möchte.

Was können wir als Bevölkerung tun ? Ziviler Ungehorsam ? Den zeigt doch 20-30% der deutschen Bevölkerung schon seit mehreren Jahren,  indem sie als Nichtwähler auftreten. Wir sind doch Wähler und Verbraucher in einer Person und sollten uns dieser Rolle und der damit verbundenen Macht bewusst sein. Wie kann jeder diese Macht einsetzen und damit zum Ausdruck bringen, in welche Richtung er bei Fragen der Energiepolitik und bei der Nahrungsmittelproduktion gehen möchte ? Ganz einfach, durch die gezielte Auswahl von Anbietern, die ihm das bieten, was er möchte.

Einfache Beispiele hierbei sind, die Auswahl des Stromanbieters und der Kauf regional produzierten Lebensmitteln. Sorry, aber zu letzteren muss ich noch etwas schreiben. In der letzten Zeit passiert es mir immer wieder, dass ich doch mal Erdbeeren im März oder Oktober kaufe. Wenn ich diese dann gegessen habe, ist es immer das gleiche. Sie schmecken nicht, auch wenn sie in ihrem Aussehen den originalen Sommermodellen nahekommen. Ich frage mich dann, was hier passiert. Durch meine berufliche Reisetätigkeit hatte ich öfters schon die Möglichkeit, Obst in der Region zu essen, in der es natürlich vorkommt. Fazit: Dort, wo Obst natürlich vorkommt und in der für es typischen Zeit geerntet wird schmeckt es ! Mir scheint es so, dass die Nahrungsmittelsdiscounter auf der Jagd nach immer mehr Umsatz immer neue Produkte auf den Markt werfen und versuchen, das Verbraucherverhalten ihrer Kunden dahin zu ändern, dass sie alles kaufen. Dieser Prototyp des Kunden ist verstärkt in den Discountern vertreten, wenn ein langes Wochenende ansteht und der “Hunger” als reale Bedrohung in Deutschland gesehen wird, weil der Discounter mal 3 Tage geschlossen hat. Aber gut, zurück zu den Beispielen.

  • Auswahl der Energieverbraucher:

Im Stadtgebiet Rudolstadt kann jeder Mieter den Stromanbieter wechseln und bekommt für mindestens den gleichen Preis wie bei der EVR (Grundtarif) einen 100-prozentigen Ökostrom geliefert. In den meisten Fällen kann er auch noch 10-20% Kosten sparen. In Summe kann er bis zu 300€ pro Jahr (4000KWh Stromverbrauch) sparen und hat seinen CO2-Ausstoss deutlich reduziert. Die 300€ könnte er zur weiteren Reduktion des Energieverbrauchs nutzen, oder regional produzierte Lebensmittel kaufen.

Den Vergleich der Stromanbieter kann man gut über Verivox durchführen.  Wenn jemand beim Wechsel Hilfe benötigt, so kann er sich gern an mich wenden.

  • Gasanbieter

Bei der Wahl der Gasanbieter ist der Markt momentan noch begrenzt, aber es gibt mehrere überregionale Anbieter, die Biogas beimischen. Beispielsweise kann durch den Wechsel von der EVR auf den Anbieter Lichtblick, eine Kostenersparnis von 90€ pro Jahr erreicht werden. Hinzukommt, dass durch den 5-prozentigen Biogasanteil bei Lichtblick der CO2-Ausstoss reduziert werden kann.

Ein Vergleich der Anbieter ist ebenfalls unter Verifox möglich.

  • Regionale Nahrungsmittel

Die Umweltbelastungen durch die Erzeugung von Nahrungsmittel ist stark davon abhängig, in welcher Region das Nahrungsmittel produziert, wie es transportiert, gelagert und wo es konsumiert wird. Jedem sollte bewusst sein, dass er durch die Auswahl seiner Nahrungsmittel der damit verbundenen Umweltauswirkung steuern kann. Idealerweise kann er durch den Erwerb von regional produzierten Lebensmitteln die ortsansässigen Produzenten unterstützen.

Die goldenen Regeln für umweltbewusste Esser:

  • vegetarische Ernährung oder eine Ernährung gemäss der Lebensmittelpyramide
  • Reduktion des Fleisch- und Milchkonsums
  • keine mit dem Flugzeug transportierte Produkte
  • keine Gewächshausprodukte
  • saisongerechte Produkte bevorzugen
  • energiesparende Haushaltsführung (im Bezug auf das Kochen und Kühlen)
  • Verzicht aufs Auto, Abfallvermeidung

Für Thüringen kann man sich bei Ökoeinkaufsführer Thüringen oder Ökoherz über Einkaufsmöglichkeiten informieren. Direkt in Rudolstadt kann man den Bioladen im Handwerkerhof nutzen.

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